ES WAR EINMAL

UNSERE EHEMALIGEN
Große Freiheit, Logo, Lindenhof: Westzone hat in allen Clubs gespielt, die in den Achtzigern angesagt waren - und ist trotzdem ein Insider-Tipp geblieben. Verlagsvertrag, Plattenveröffentlichung auf Vinyl, Musikerträume: Westzone konnte mit deutschen Texten und Rock-Pop überzeugen - und ist doch nicht über Anfangserfolge hinausgekommen. Stadtfeste, Rocknächte, Café Chaos: Westzone hatte zwischen 1985 und 1995 viele Heimspiele und war weltberühmt - in Reinfeld und Bad Oldesloe. Westzone war laut damaligem Bandinfo die Antwort des Nordens auf Grönemeyer, Westernhagen und Co. - doch die haben sich nie um die Stimme aus Bad Oldesloe geschert. Und die beidenDeutsch- Rock-Heroen covern, das wollte Westzone nie. Live und im Radio: Die Bandmitglieder haben auf beiden Schienen den Durchbruch verdaddelt - und sind locker geblieben. Erfolg ist zwar schön, aber die Oldesloer wollten ihn ohne Kampf und Krampf. Das war die Sollbruchstelle, doch Westzone hat sie ignoriert und weiter Stücke geschrieben. Denn das ist die Stärke der Band: Mit Martin "Erny" Schrörs (Gesang, Gitarre), René Münzer (Keyboards, Produktion) und Henning Krumm (Bass, Gitarre) hat Westzone gleich drei Texter und Komponisten in seinen Reihen. Dazu kommen Ausnahmegitarrist Ralf Becker und Schlagzeuger Hanno Hannes. Insgesamt haben die fünf weit über 100 Songs geschrieben und einige davon auch veröffentlicht. Nach "Leben im Westen" (1994) hat Westzone mit "Vitamin" 1998 die zweite CD vorgelegt. Aus Spaß an der Musik und ohne auf den Kuss weiterer Produzenten-Prinzen zu warten. Im Live-Bereich sind die Musiker eigene Wege gegangen. Henning Krumm war langjähriges Mitglied des Oldesloer Gospelchores, hat bei Ego Ego, Slow Hand und Triblonski gespielt und ist heute noch der Spezialist für Saiteninstrumente bei den Nuthouse Flowers. Sänger Martin Schrörs feierte mit der Bergedorfer Formation Heaven 7 auf Kirchentagen in ganz Deutschland Erfolge. Trommler Hanno Hannes ist erst mit Budnikowski aufgetreten und rockt jetzt mit dem Trio The Budnixx. Das Tournee-Leben, das er mit Westzone nie erlebt hat, konnte Gitarrist Ralf Becker mit der Westernhagen-Coverband Pfefferminz nachholen - bis er nach ein paar Jahren keine Lust mehr auf miese Hotels, durchzechte Nächte und endlose Fahrten im Band-Bus hatte. Jetzt hat er mit Quiet Nights die Band gefunden, in der er die Jazz- und Swing-Gitarre spielen kann, die er schon immer spielen wollte. Auch René Münzer ist noch live aufgetreten - mit der Deutsch-Pop-Kult-Band Zing. Aber seine Welt ist das Studio. Er hat sich als Produzent und Komponist selbstständig gemacht. Orange Blue und Vaile sind auf diesem Sektor die größten Erfolge, an denen er beteiligt ist und Cass heißt die Sängerin, in deren Erfolg René zurzeit Herzblut, Hirn und harte Währung investiert. Nur er ist Musik-Profi geworden, die übrigen verdienen ihre Brötchen mit anderen Jobs. Aber die Liebe zur Musik und der Spaß am gemeinsamen Jammen ist allen geblieben. Das hat 2003 eine Woche im dänischen Ferienhaus bei Blavand gezeigt. 17 Titel in sieben Tagen hat Westzone da geschrieben. Drei davon hat die Band jetzt aufgenommen und auf der Mini-CD "Blah Wand" veröffentlicht - exakt zwanzig Jahre nachdem sich die Vorgänger- Band Custard Pie (Sänger Martin und Trommler Hanno waren da dabei) in Westzone umbenannt hat und mit damals blutjungen Neuzugängen zum ersten Mal unter diesem Namen im Reinfelder Kino aufgetreten ist. Alte Mucker, kalter Kaffee? Es gibt Wein, der besser wird, wenn er reifen kann. Westzone zählt sich zu dieser Sorte. Also: "Wie wär's?" - so heißt nämlich einer der Titel, die auf "Blah Wand" zu hören sind.